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Ein echter Schmöker über Oberschopfheim

Die Chronik von Hubert Röderer ist eine Fundgrube für Oberschopfheimer, die ihr Dorf von A bis Z kennenlernen wollen.

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. "Ich wünsche mir, dass das Buch in die Hand genommen und darin geblättert und geschmökert wird", schreibt Hubert Röderer im Vorwort seiner Ortschronik "Oberschopfheim zwischen Wald und Reben". Wahrlich, mit 500 Seiten, dicht gepackt mit Informationen und Geschichten, ist die Chronik ein echter Schmöker geworden.

Der Autor Hubert Röderer ist ein waschechter Oberschopfheimer und langjähriger BZ-Redakteur. Er bezeichnet sich selbst als (heimat-)geschichtsinteressiert. Zudem kennt er das Innenleben seines Dorfs. Diese Mischung aus Historie und Liebe zum Detail macht die Chronik zur interessanten Lektüre – auch für Reingeschmeckte und Nichtoberschopfheimer.

Röderer hat "Tausende von Zeitungsseiten" und gesammelte Schriftstücke über Oberschopfheim in der Chronik verwertet, schreibt er im Vorwort. Man kann sich gut vorstellen, dass er wahrscheinlich eben so viele (ehrenamtliche) Arbeitsstunden in sein Werk gesteckt hat.

Dass er als Journalist die Geschichte und Geschichten nicht unhinterfragt übernahm – selbstredend. "Widersprüchliches musste auf den wahren Kern abgeklopft, Richtiges vom Falschen getrennt werden", meint Röderer. Keine leichte Übung, wenn die Quellenlage trotz seines großen Privatarchivs hier und da dünn war und Rückmeldungen manchmal spärlich kamen: "Manche (Vereine) erkannten rasch die Chance, sich in der Chronik angemessen zu präsentieren, andere weniger", umschreibt Röderer diplomatisch eine Hürde, die er nehmen musste.

Was lange währte, wurde gut: Mehr als zwei Jahre Arbeit stecken in der Chronik drin. Es war für Röderer eine sichtliche Fleiß-, eine Nachhak- und eine Dranbleib-Arbeit, die Einblick gibt bis hinein in die dörflichen Verästelungen von Übernamen für die Dorfbewohner, in (verschwundene) Traditionen und in die Dorfentwicklung über die Jahrhunderte insgesamt.

Irgendwann zwischen den Jahren 500 und 760 nach Christus, entstand Oberschopfheim. Genaues ist unbekannt, weshalb das Dorf sein 1250-Jahr-Jubiläum im vergangenen Jahr auf die ersturkundliche Nennung stützte. In der Chronik greift Röderer das Rätsel um das wahre Alter Oberschopfheims natürlich auf.

Dem Werk tut es gut, dass der Autor es nicht in trockenem Geschichtsdeutsch geschrieben hat, sondern im unterhaltsamen und informativen journalistischem Stil. "Das ominöse Datum" lautet etwa die Überschrift über dem Kapitel, in dem es um den Geburtstag Oberschopfheims geht. "Wie alt Oberschopfheim tatsächlich ist..., weiß kein Mensch", schreibt Röderer weiter, bevor er sich in den folgenden Kapiteln anderen Aspekten des Dorfs widmet: Den Herrschern und der Christianisierung der Region, den Kriegen, die auch Oberschopfheim in Mitleidenschaft zogen oder den Nachbardörfern.

Plastisch wird die Chronik ab der Neuzeit und auch da, wo die Quellenlage gut ist, zum Beispiel wenn es um die Kirchengeschichte geht. Unter anderem blickt Röderer in die Zeit der Nachreformation, in der die Protestanten sich beim Markgrafen beschwerten, dass sie kein Gotteshaus haben: "...alßo haben wir Eure Durlaucht underthänigst und hochfleißig Pitten wollen...von diesen Beeden Kirchen Eine...gnädigst zu verwilligen."

Es ist ein Nachschlagewerk, in dem man viele Fotografien findet, die Namen und die Leistung von "Ortsoberhäuptern" findet, sämtliche "Vereine und andere Gemeinschaften" oder eine Liste mit Nachnamen und ihrer urkundlichen Ersterwähnung. Ihr zufolge gehören Butz, Schaller, Jäckhle, Heitz, Hugelmann, Gissler, Messerer oder Geiger zu den ältesten Namen des Orts.

Berührend und besonders lebhaft sind die drei letzten Kapitel "Tradition und Brauchtum", die Zeitzeugenberichte und die "Miszellen" – lateinisch für "Vermischtes" ganz am Schluss. Gemeint sind damit Geschichten, die nicht zwingend notwendig sind, aber dennoch nicht fehlen dürfen, weil sie neben den vielen Fakten zur Unterhaltung beitragen.

Am Schluss kann man nur sagen: Hut ab vor der Leistung des Chronisten.

Info: Hubert Röderer: "Oberschopfheim zwischen Wald und Reben", 2014, erschienen im Lahr Verlag, ISBN: 978-3-943180-21-3, erhältlich in der Ortsverwaltung Oberschopfheim, zum Preis von 32 Euro.

SPLITTER

Die Übernamen

Die Oberschopfheimer werden Stänglihocker genannt, eigentlich ein Lob, findet Hubert Röderer: Den Hühnern gleich, würden sie beim ersten Hahnenschrei sofort mit der Arbeit beginnen." Röderer gibt eine Auswahl an weiteren Übernamen: S’Schifilis, s’Küehbenigge, de Milchkarli, s’Benziners, de Saudoni, de Schnäppli, s’Hemmseichers.

Gemeindeeber Willi

Über das Ende des Friesenheimer Deckebers Willi schreibt Röderer: "Ausgelastet war er nicht gerade." Rein rechnerisch habe das Tier 1990 nur alle 16 Tage "das wonnige Gefühl zwischenschweinlicher Beziehungen genossen." Röderer lüftet das Geheimnis um den Namen: Die Eber seien immer nach dem Vornamen des Ortsvorstehers benannt worden, der ihn ersteigerte.

Im Pfarrhaus spukt es

Röderer erzählt Spukgeschichten aus dem Oberschopfheimer Pfarrhaus. Darunter diese: Ein Pater hatte 1941 über die Gemeinde geschrieben, dass ein solcher Geist eine arme Seele sein könnte, "die dort nach göttlicher Verfügung ihre Strafen abtragen und manchmal sich den Lebenden kundgeben darf." Ein anderer Pater habe bezeugt, dass dreimal an sein Fenster geschlagen wurde und er niemanden entdecken konnte. Als er aus dem Zimmer hinausging, habe er hinter sich "ein Jammern und Seufzen" gehört.

Der Dildap

Röderer hat auch die Geschichte des gebürtigen Oberschopfheimers Weibert Schneider über den "Dildap" festgehalten, einem geistig zurückgebliebenen Oberschopfheimer, der eine beliebte Zielscheibe war. Dorfjungen hatten ihm weisgemacht, dass man nachts einen eigentümlichen Vogel fangen wolle. Der Dildap wartete geduldig volle zwei Stunden auf den Vogel, während die anderen davonschlichen. Fortan habe er "Dildap" geheißen.
 

Ein neues Kapitel Dorfgeschichte

Hubert Röderer hat seine Oberschopfheimer Dorfchronik vorgestellt und alle klopfen dem Autoren auf die Schulter.

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Es ist vollbracht: Hubert Röderer hat in feierlichem Rahmen vor 250 Oberschopfheimern in der Auberghalle seine Ortschronik präsentiert.

Alle klopften sie dem Autor auf die Schulter: Amts-, und Würdenträger, Bürger, Verwandte, Freunde, Kollegen. Das Buch ist der große Wurf geworden, der es sein sollte. Drei Jahre hat Hubert Röderer daran gearbeitet, in Archiven recherchiert, Zeitzeugen befragt, mit Vereinen und Betrieben korrespondiert. "Ob er damals schon wusste, was da auf ihn zukommt?", fragte Ortsvorsteher Michael Jäckle die Antwort quasi vorwegnehmend in seinen Grußworten. Tausende Stunden habe er investiert, sagte Friesenheims Bürgermeister Armin Roesner, alles ehrenamtlich. Ursprünglich sollte das Werk noch im Jubiläumsjahr 2013 veröffentlicht werden. Nun wurde es einige Wochen später. Landrat Frank Scherer, der die Laudatio auf Hubert Röderer sprach, neckte das Publikum: Warum das denn so lange dauert, habe so mancher gefragt. "Weil die Oberschopfheimer vollkommen entschleunigt sind, sollen einige geantwortet haben", zitierte Scherer schmunzelnd eine anonyme Quelle.

Er hob hervor, dass Röderer das Werk neben seinem Hauptberuf als BZ-Redakteur erarbeitet habe. "Nun ist die Chronik fertig. Es ist ein Buch, das vor allem verständlich geschrieben ist – und hier und da auch eine Portion Humor nicht vermissen lässt", so Scherer. Er spannte den Bogen von Oberschopfheim über den Ortenaukreis auf die europäische Ebene. Er warb dafür, Kontakte mit Bürgern aus dem Elsass zu suchen. "Europa schafft nicht nur Freundschaft, Europa erhält Freundschaften." Hubert Röderer gratulierte er zu dem Werk.

Dieser dankte allen am Projekt Beteiligten – zeigte sich allerdings auch enttäuscht, dass nicht jeder von Anfang an so mitgezogen habe, wie er es erwartet hatte. In einem Parforceritt gab Röderer Einblicke in die Inhalte seiner Dorfchronik: angefangen bei steinzeitlichen Faustkeilen, die auf erste Besiedlungen hinweisen, über die Heddo-Urkunde, die die Ersterwähnung von Oberschopfheim im Jahr 763 belegen soll, über die Kriege der Neuzeit bis hin zur Gemeindereform 1972, die einen Bruch in der Oberschopfheimer Bevölkerung offenbarte.

Zwischen den einzelnen Rednern sang Elli Bruch solo zur Begleitung von CD. Bruch lebt seit mehr als 20 Jahren in Oberschopfheim und wurde mit Ortenauer Pop- und Soul-Bands sowie mit der Tanzkapelle Santa Maria bekannt.

Info: Das Buch "Oberschopfheim – Dorf zwischen Wald und Reben" von Hubert Röderer ist im Lahr Verlag erschienen. ISBN: 978-3-943180-21-3.

SPLITTER

"Barbara Röderer hat sicher auch viel Zeit ohne den Mann verbringen müssen. Raunen im Saal – Aber das ist vielleicht auch nicht immer das Allerschlimmste." Alle lachen.
Bürgermeister Armin Roesner

"Ich bin stolz, eine Oberschopfheimerin zu sein!"
Elli Bruch

"Denkbar sogar, dass Friesenheim älter ist als Oberschopfheim!" – Zwischenruf: "Hui!" – "Ja, des wär traurig!"
Hubert Röderer

 

Präsentation der neuen Ortschronik

Oberschopfheim feiert.

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM (BZ). Die neue Ortschronik von Oberschopfheim ist fertig. Sie wird am morgigen Donnerstag, 20. März, in der Auberghalle in einer Feierstunde offiziell vorgestellt. Alle Oberschopfheimer sind dazu eingeladen, ebenso alle Interessierten aus der Nachbarschaft – es dürfte für jeden was geboten sein. Der Abend beginnt um 18 Uhr mit einem Sektempfang. Neben Bürgermeister Armin Roesner und Ortsvorsteher Michael Jäckle wird Landrat Frank Scherer erwartet, der dabei auch in seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher Präsident, die Gelegenheit ergreifen will, den Eurodistrikt Straßburg/Ortenau, dem bekanntlich auch Oberschopfheim angehört, zu erläutern.

Zudem hat sich die Sängerin Elli Bruch, seit rund 20 Jahren in Oberschopfheim zu Hause, bereit erklärt, die Vorträge gesanglich zu umrahmen. Bekannt geworden ist sie durch Auftritte mit den Gruppen Santa Maria, Funkzone oder Jimmy’s Soul Attack. Chronik-Autor Hubert Röderer wird zudem die Entstehungsgeschichte und kleinere Episoden aus der Vergangenheit Oberschopfheims schildern.

In einer großen Fotoausstellung werden Höhepunkte des Jubiläumsjahres und historische Bilder zu sehen sein. Alle Gäste sind hernach zu einem kostenlosen Bauernvesper eingeladen,bei ebenso freien Getränken: Diese Geste ist als eine Art Dankeschön des Fördervereins "1250 Jahre Oberschopfheim" zu verstehen für das große Fest, das im Juni 2013 gefeiert werden konnte.

 

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