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Presseberichte zur 1250-Jahr-Feier

Ein kräftiges Stück Heimatgeschichte

Das Theaterstück zum Dorfjubiläum blickt mit großen Gefühlen zurück in das Oberschopfheim am Ende des 17. Jahrhunderts.

Nehmen einen ordentlichen Schluck: Die Dorfgemeinschaft und ihr Pfarrer. Foto: Barbara Röderer


Zu den großen Gefühlen gehört auch die Wut – überzeugend dargestellt von dieser Darstellerin. Foto: Heidi Foessel

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Es war die glühende Schlussrede des späteren Stabhalters Jakob Eichhorn in der Person des jungen Johannes Krämer, die bei allen Premierenbesuchern am Freitagabend noch einige Zeit nachhallte und dann – nach einigen Sekunden angespannter Stille – in einen furiosen Applaus mündete. Nach drei Stunden Theater war klar: Diese Aufführung ist ein überwältigender Erfolg, ein hochambitioniertes Stück Laientheater.

Man schreibt das Jahr 1677, und in Oberschopfheim wurden 80 von 90 landwirtschaftlichen Höfen von französischen Truppen in Brand gesetzt. Es ist Krieg. Mit viel Pathos beschwört der Stabhalter – heute hieße er Bürgermeister – den Stolz und das Zusammengehörigkeitsgefühl der überlebenden Dorfbewohner und überzeugte sie, dass es sinnvoll sei, an der Heimat festzuhalten und den Ort wieder aufzubauen. Mit dem Schauspiel "Oberschopfheim 1677 – Vom Überleben eines Dorfes" wurde somit ein dunkles Kapitel der Dorfgeschichte aufgeführt. Gerade diese Zeit hatte es Autor und Regisseur Christopher Kern angetan, der besonders mit seiner Phantasie den "längst vergessenen Menschen aus der Vergangenheit ein würdiges Gesicht verleihen wollte". Authentisch sind das Jahr und die Dorfkatastrophe, drum herum hat Kern eine muntere Geschichte mit allen Facetten des Lebens gesponnen: Liebe, Eifersucht, Morde und Vergewaltigung, Enttäuschung und Versöhnung.

Schon im Prolog erinnerte Ulrike Beck als "Waldgroßli" und Kräuterfrau an die vielen kleinen Bürgerinnen und Bürger, die über Jahrhunderte hinweg auf diesem Flecken namens Oberschopfheim gelebt und gearbeitet haben und trotz zahlreicher Rückschläge sich immer mutig und aus eigener Kraft für den Erhalt und den Aufbau der Heimat einsetzten. Eine unglückliche Liebe, das Ringen der Dorfbewohner um ein Leben in Ruhe und Frieden und die sich immer mehr auf Oberschopfheim zubewegende Kriegsfront, nur wenige Jahrzehnte nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, bilden das Spannungsfeld für das Jubiläumsschauspiel anlässlich der 1250-Jahr-Feier.

Im Mittelpunkt der ersten Szenen steht der Sohn des reichsten Bauern im Ort, Matthias Wetterer (Alexander Knab), der die schöne, aber arme Anna Eichhorn (Ines Schwend) heiratet. Während er sanftmütig und überglücklich ist, leidet die schüchterne Anna unter dem strengen Regiment ihrer Schwiegermutter Magdalena Wetterer (Christa Züfle). Als der tot geglaubte Jugendfreund von Anna, Johannes Schuler (Thorsten Junker) – der als Dieb verschrien aus dem Dorf vertrieben worden war – wieder auftaucht, werden Bedenken, gar Empörung in der Hochzeitsgesellschaft laut. Er kehrte nach seinem Söldnerdienst mit einem gut gefüllten Geldsäckchen heim, um ein neues Leben zu beginnen. Alle Dorfbewohner, auch Stabhalter Hans-Jakob Eichhorn (Klaus Walter) und der Vater der Braut, Gregor Wetterer (Otmar Franz), jagen ihn trotz schwerer Verletzung wieder weg. Lediglich der behinderte Nikolaus (Fabio Krämer) und das Waldgroßli nehmen sich seiner an und verstecken ihn in einer Waldhütte. Auch wenn die Eltern von Anna, Maria und Josef Eichhorn (Hildegard Gnädig und Helmut Mathis), ihrer Tochter Trost spenden ("Des muss mer üsshalte un s’Mül halte"), gehen die täglichen Schikanen der Schwiegermutter weiter. Hinzu kommen die Ungeduld von Matthias, weil sich seine geliebte Anna sich ihm entzieht, und der Überfall der lüsternen kaiserlichen Soldaten. Als Anna zum Waldgroßli geschickt wird, trifft sie ihre Jugendliebe Johannes Schuler wieder. Es kommt, wie es kommen muss. Anna beginnt nach einem Streit mit ihrem Mann ein heimliches Liebesverhältnis mit Johannes und wird nach dem Verrat durch Nikolaus des Ehebruchs angeklagt.

Während der emotional geladenen Gerichtsverhandlung platzt Hans-Jakob Wetterer (Till Armbruster) in den Gerichtssaal der Laube und überbringt die Nachricht, dass die Franzosen in Oberschopfheim eingefallen sind, dass sie stehlen, brennen und morden. Es kommt zum Tumult, zur Flucht des jungen Paares und zuletzt zum Tod von Matthias. Johannes rettet seine Anna vor dem Übergriff der Franzosen, stirbt jedoch in ihren Armen an den Spätfolgen seiner schweren Verletzung.

Kern mit gutem Näschen bei der Rollenbesetzung

Bei jedem einzelnen Akteur war Herzblut zu spüren, Regisseur Kern verdiente sich zudem das Lob, nicht nur ein pralles Stück geschrieben, sondern ein gutes Näschen für die Rollenbesetzung bewiesen zu haben. Bosheit, Neid und Ärger wurden gerade von den Hauptdarstellern sicht- und hörbar ausgelebt, Theatererfahrung konnte manch eine(r) nicht verbergen. Und doch beeindruckten auch die anderen, für die der Bühnenauftritt eine Premiere war, mit treffsicherer Mimik und Gestik. Es wurde ein Zusammengehörigkeitsgefühl, nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Theatergruppe, spürbar und das machte auch den Erfolg aus – wie auch der Dialekt der Heimat: "Bigoscht" (bei Gott) und "verdälwe" (ein Loch graben): Derlei Ausdrücke erzeugten im Publikum manchen spontanen Schmunzler.

 

STIMMEN

"Hut ab vor allen"


FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Nach der Premiere des Theaterstücks "Oberschopfheim 1677 – Vom Überleben eines Dorfes" hat BZ-Mitarbeiterin Barbara Röderer einige Stimmen gesammelt.

Silvia Lienhard: "Trotz des traurigen Endes bin ich begeistert von den Schauspielern und ihren auf den Leib geschnittenen Rollen. Hut ab vor allen, die hier mitgespielt haben."

Ortsvorsteher Michael Jäckle: "Ich bin stolz auf die Schauspieler. Kompliment an Regisseur Christopher Kern für seine gelungene Rollenauswahl. Man spürte förmlich die Lust und Begeisterung der Laienschauspieler."

Monika Haas: "Ich fand den Theaterabend super. Besonders die Mischung der Generationen war gelungen. Trotz der ernsten geschichtlichen Situation gab es immer wieder heitere Szenen, bei denen man spontan lachen musste."

Regisseur Christopher Kern: "Heute habe ich das Herzblut der Schauspieler gespürt, die einzelnen Rollen wurden mit Leben gefüllt, es wurde keine Maske aufgesetzt. Jeder hat sein Bestes gegeben und hart an sich gearbeitet. Bei der Rollenvergabe habe ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen, es hat geklappt."

Lisa Reifenschweiler: "Ich fand es toll, wie die Leute, die man aus dem Dorf kennt, Theater spielen können."

Peter Müller: "Beeindruckend für mich war der geschichtliche Hintergrund. Diese Epoche, in der Oberschopfheim bis auf zehn Höfe abgebrannt ist, kannte ich noch nicht."

 

Ein Kapitel Dorfgeschichte

Heute Premiere des Schauspiels "Oberschopfheim 1677 – Vom Überleben eines Dorfes" / Alle neun Vorstellungen sind ausverkauft.

Laienspiel der besten Art erwartet die Besucher in Oberschopfheim. Foto: heidi fössel

 

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Heute, Freitag, ist die Premiere des Schauspiels "Oberschopfheim 1677 – Vom Überleben eines Dorfes" auf der Bühne des Pfarrsaals. Nach fast anderthalbjähriger Vorbereitung werden die rund 30 Akteure unter der Leitung von Christopher Kern ein Kapitel der Dorfgeschichte aufführen. Die Badische Zeitung hat in der vergangenen Woche eine Probe besucht.

Augen und Ohren sind die ersten Sinne, die nach dem Betreten des Pfarrsaals als Erste angesprochen werden. Soldaten in schmucken Uniformen samt Federhut und gefährlich wirkenden Sturmgewehren huschen durch den Flur, üben den torkelnden Gang, schreien sich gegenseitig Textfetzen zu. In das aufgeregte Hin und Her mischt sich das harte Klappern von derben Bauernschuhen mit Holzsohlen, auch das Rauschen der weit geschnittenen Röcke der Bauersfrauen ist zu hören.

In den bereits bestuhlten Reihen werden letzte Dinge geregelt. Hier wird ein letzter Scheinwerfer aufgehängt, dort hilft eine Bäuerin ihrer Mitspielerin, die Haube korrekt aufzusetzen. Regisseur Christopher Kern, gleichzeitig Autor des Stückes, hat derweil die Ruhe weg. Hie und da ein paar Worte gewechselt, kurz auf die Bühne gehüpft, einige Einstellungen überprüft, dann setzt er sich in die Mitte des Zuschauerraums und gibt das Startsignal.

Binnen weniger Minuten sind die Besucher, die aus beruflichen Gründen der Hauptprobe beiwohnen dürfen, gefesselt von dem, was diese unglaublich professionell agierende Laientruppe da ins Rampenlicht bringt. Konzentriert und diszipliniert geht es da zugange, jeder kennt seinen Text und an den Gesichtern kann man sehen, wie sehr sich die Schauspieler in ihre Rollen hineinversetzt haben, sie wirklich leben und nicht nur spielen.

"Ja, das ist wirklich fast ein Wunder, wie gut wir uns als Team zusammengefunden haben. Und das, obwohl sich beileibe nicht alle gekannt haben. Aber da war schon von Anfang an diese Begeisterung, die sich durch die ganze Probezeit hindurch gehalten hat", meint eine der Hauptdarstellerinnen, die zwischendurch in den hinteren Reihen Platz nimmt und von dort das Spiel aufmerksam verfolgt.

Nach einem eindringlich gesprochenen Prolog, in dem die Absicht des Stücks geäußert wird, an all jene zu erinnern, die in früheren Zeiten den Ort Oberschopfheim bevölkert haben, werden die Zuschauer zunächst bei noch geschlossenem Vorhang mit einem Gänsehaut erzeugenden Soundtrack ins historische Geschehen eingeführt: Geheimnisvoll klingende Musik, Glockengeläute, Sturmrauschen, Kanonendonner – wer hier auch nur einen Funken Phantasie mitbringt, findet sich ohne Probleme in der Epoche nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder, spürt die Angst der Dorfbewohner, wenn mitten in eine Hochzeitsgesellschaft betrunkene Soldaten torkeln, die nicht nur lautstark Quartier einfordern, sondern sich auch der jungen Braut ungebührlich nähern.

In kürzeren und längeren Szenen geht es dann durch die beiden Erzählstränge, die wechselvolle Geschichte des Dorfes Oberschopfheim, die zum größten Teil historisch verbürgt ist, und die Handlung um eine schöne junge Frau, die in ihrem Inneren hin- und hergerissen ist zwischen ihrer Jugendliebe Hannes, der just in dem Augenblick wieder auftaucht, in dem sie sich mit dem reichen Bauernsohn Matthis vermählt hat. "Diese Liebesgeschichte ist frei erfunden", erzählt eine der Schauspielerinnen auf Nachfrage, "aber die Hofnamen und die Straßen, die gibt es wirklich".

Im weiteren Verlauf der Hauptprobe geht es trotz des schweren Stoffs ab und zu recht lustig zu. Wenn etwa eine Ohrfeige mehr als nur angedeutet wird. "Au! Des het gebätscht! Dü müesch dem mit der linke Hand eini lange, sunscht fliegt er in d’ falsch Richtung."

Bei einem Stück von fast drei Stunden Dauer kann es nicht ausbleiben, dass in der Probe mal das eine oder andere Detail vergessen wird. Zum Beispiel ein Tisch, der nach Szenenschluss nichts mehr am Bühnenrand zu suchen hätte. Aber das sind Kleinigkeiten, und die Truppe hat das dicke Lob, das Regisseur Christopher Kern seinen Leuten in einer Art Manöverkritik spendet, wirklich verdient: "Toll! Des macht richtig Spaß liebi Lit".

Ob es schließlich ein Happy End gibt und – wenn ja – für wen, das darf an dieser Stelle natürlich noch nicht verraten werden. Sicher ist jedoch: Das Publikum bekommt hier ein ergreifendes Stück Geschichte serviert, das alle Sinne anrührt und deshalb wärmstens zu empfehlen ist!

Ausverkauft: Es gibt weitere acht Vorstellungen, alle 1700 Karten sind aber schon vergriffen.
 

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