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"Die Idee steht im Raum"

Nach den Vorführungen des Theaterstücks zur Oberschopfheimer 1250-Jahr-Feier bleibt die Gruppe womöglich weiterhin zusammen.

Die Oberschopfheimer Laienschauspieler hatten Spaß – so viel, dass einige weitermachen wollen. Foto: W. Künstle

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Als der letzte Applaus nach der Abschlussvorstellung des Theaterstücks zum Oberschopfheimer Jubiläumsfest verklungen war, war bei aller Freude hier und da auch Wehmut zu spüren. Wehmut, weil die Gruppe jetzt ihre Aufgabe erfüllt hatte, sich das Festjahr zum 1250-jährigen Bestehen des Dorfs dem Ende zuneigt. Nun deutet sich an, dass der Gruppe das vielleicht egal sein könnte – und sie einfach weiterspielen.

Dass aus der Idee, zum 1250-jährigen Dorfjubiläum ein Stück Heimatgeschichte in Szene zu setzen, ein Kunstwerk mit dem schlichten Titel "Oberschopfheim 1677" geworden ist, liegt wohl daran, dass hier zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Personen zusammengekommen sind. So trafen Oberschopfheimer mit Liebe zur Schauspielerei, der erfahrene Autor und Regisseur Christopher Kern und ein motiviertes Organisationsteam aufeinander. Wie sehr alle Beteiligten in rund drei Jahren Vorbereitungszeit zu einer Einheit verschmolzen sind, das ließ sich auch bei der Abschlussvorstellung Ende Oktober erkennen. Zu sehen bekam das Publikum eine spannende Mischung aus historischer und persönlicher Tragödie. Mit großer Souveränität lieferte die Laienschauspieltruppe um Regisseur Christopher Kern eine Darbietung auf professionellem Niveau ab. Einer der Schauspieler kommentierte es in der Pause "Wir haben uns vom Text befreit". In jeder Geste, jeder Regung auf den Gesichtern der Darsteller wurde deutlich, dass hier alle ihre Rollen nicht mehr nur spielen, sondern leben. Es so weit zu bringen, war nicht leicht. Die große Herausforderung für die Schauspieler war es, die inneren Konflikte der Charaktere sichtbar zu machen. Mutig und unerschrocken trat etwa Ulrike Beck als Waldgroßli auf, zeigte eine starke Frau, die sich von Drohungen seitens klerikaler und weltlicher Obrigkeit nicht beirren lässt. Auch Ines Schwend bewies als zwangsverheiratete Jungbäuerin Anna jede Menge Talent und ließ auf ihre stille Art die Zerrissenheit zwischen Pflichtbewusstsein und Aufbegehren, Kopf und Herz erkennbar werden. Ebenso Alexander Knab als Jungbauer Matthis: Einfühlsam interpretierte er den verzweifelten Kampf zwischen seinem Softie-Ego, das ihn zum herzlich liebenden Ehemann machte und dem Zeitgeist, der von ihm ein Auftreten als Macho erwartet. Und auch der letzte Hauptdarsteller Thorsten Junker alias Hannes: Er brachte überzeugend zum Ausdruck, wie ein Mensch nicht nur an körperlichen Verletzungen, sondern auch an seelischen Wunden zerbrechen kann.

Fraglich, ob Kern die Gruppe weiterbetreuen kann

Nun könnte sich die Gruppe auflösen, der Festsommer ist vorüber, das Festjahr neigt sich seinem Ende zu. Allein: Einzelne Schauspieler scheinen Gefallen gefunden zu haben am Theater. "Die Idee steht im Raum, dass einige weitermachen", sagt Autor und Regisseur Christopher Kern auf Anfrage. Der Gedanke sei allerdings noch recht vage. "Fakt ist: Die Leute haben sich gut verstanden, sie haben gut gespielt und sie haben vor allem gut zusammengespielt." Wie eine Fortsetzung der Theaterarbeit mit der Oberschopfheimer Gruppe genau aussehen könnte, dazu will Christopher Kern noch nichts sagen. Auch, weil er selbst erst klären muss, ob er sich einem solchen Oberschopfheimer Theaterensemble zeitlich widmen kann. Denn Kern betreut derzeit noch das Theaterprojekt zur 950-Jahr-Feier von Oberweier im kommenden Jahr und seine eigene Theatergruppe Talwind.

Ginge es nach Alexia Beck, die als eine der Schauspielerinnen für das Jubiläumsstück auf der Bühne stand, wäre die Sache schon ausgemacht. Sie würde sich sehr freuen, wenn die Oberschopfheimer Theatergruppe zusammenbliebe: "Das gesamte Miteinander, zu proben, zu spielen, das hat großen Spaß gemacht. Es wäre wunderschön, wenn es weiterginge."

 

Der Bart ist ab - nur bei zwei Männern nicht

Mit dem Vorhang nach der letzten Theatervorstellung fielen bei männlichen Darstellern auch die Bärte

1566 Zuschauer sahen das Oberschopfheimer Jubiläumstheater in neun ausverkauften Vorstellungen. Was übrig bleibt sind begeisterte Zuschauer und zwei Bärte.

Friesenheim-Oberschopfheim. Fast 400 Jahre in die Vergangenheit wurden die Besucher des Theaterstückes »Oberschopfheim 1677 - vom Überleben eines Dorfes« geführt. Neun Vorstellungen gab es, die letzte am Sonntagabend. Neunmal traten die einheimischen Laiendarsteller vor ausverkauften Rängen auf. Neunmal waren alle 174 Plätze im Pfarrsaal belegt. Die Resonanz des Publikums war überwältigend. So sprach Spielleiter Christopher Kern vor der letzten Aufführung im Gespräch mit dem Lahrer Anzeiger sicher jedem aus dem Herzen: »Die Begeisterung auf und vor der Bühne war überwältigend. Die Schauspieler waren hochmotiviert, obwohl die Mehrzahl als unbeschriebene Blätter teilnahm!«

Mit Leib und Seele standen die Darsteller auf der Bühne. Ein Stück Oberschopfheimer Geschichte, wie sie sich ungefähr zugetragen haben könnte. Gespielt von Oberschopfheimern - für Oberschopfheimer. Neben dem erfolgreichen Jubiläumsfest ein weiterer Höhepunkt im Jubeljahr. Außer dem Rollenstudium gab es für fast alle männlichen Darsteller eine Sonderaufgabe zu erfüllen: »Es wäre schön, wenn die Naturbärte wachsen würden«, verpasste Regisseur Kern den Herren Schauspielern ganz charmant ein Rasurverbot. Und sein Männer-Ensemble folgte ihm.

»Seit dem 1. August habe ich mich nicht mehr rasiert. Das Stück spielt vor 400 Jahren, da waren Bärte normal«, so Klaus Walter, der auch optisch die Rolle des Stabhalters perfekt ausfüllte. Am gepflegtesten sieht der Bart von Otmar Franz aus, durchaus ein zierendes Naturgewächs in Form eines Vollbartes. Doch wie Walter entledigte sich Franz nach der letzten Vorstellung am Sonntagabend des Bartes. »Mit der Zeit krabbelt es im Gesicht, ich bin froh wenn er weg ist«, so Franz' letzte Aussage als Bartträger. Dem stimmte auch Bernhard Krämer unumwunden zu.

Die anderen Schauspieler sind ebenfalls froh, wenn das Gesicht wieder glatt rasiert glänzt - bis auf zwei Ausnahmen: Jürgen Eller und Helmut Mathis konnten sich in den vergangenen Wochen ganz gut mit ihrer Gesichtsbehaarung anfreunden. »Meine Frau findet ihn super und am Morgen spart man unglaublich viel Zeit«, lacht Eller. Mathis wurde von der Schauspielertruppe animiert, den ihm gut stehenden Bart stehen zu lassen und schilderte dem Lahrer Anzeiger auch gleich noch die passende Sichtweise: »Wenn auf dem Kopf nichts mehr wächst, dann wenigstens im Gesicht.«

Die Rasur selbst wurde dann gleich nochmals zum Schauspiel - wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nach dem letzten Akt bei der Finalvorstellung am Sonntagabend schlüpfte  Mitspielerin Hildegard Gnädig, nun mit der Schere, in die Hauptrolle. In geselliger Runde nach einer Theateraufführung entstand die Idee zur Massenrasur. »Die Männer wollten nur das Grobe abschneiden lassen, den Feinschliff machen sie selbst«, sagte Gnädig.

Übrigens: Für einen Fortbestand der Theatergruppe gibt es offenbar erste Signale. »Der Wunsch dazu besteht, alles andere wird man sehen«, so Christopher Kern.

Mit ganzem Einsatz gingen die Männer in ihren Rollen beim Jubiläumstheater in Oberschopfheim auf. Sie ließen sich sogar,

auf Anregung von Regisseur Christopher Kern, Bärte wachsen, so wie es in jener Zeit üblich war.   Foto: Frank Hansmann

 

Ganzer Saal als Schauplatz

Besondere Atmosphäre herrscht beim Jubiläumstheater in Oberschopfheim / Gelungene Premiere

Die Tragik des Jahres 1677 in Oberschopfheim, das damals von den Franzosen größtenteils niedergebrannt wurde, stand im Blickpunkt eines außergewöhnlichen Theaterabends. Die Premierenbesucher waren am Freitag von der Aufführung im Pfarrsaal

Das Theaterspiel hat in Oberschopfheim eine lange Tradition. So war es eigentlich selbstverständlich, dass zum großen Dorfjubiläum eine Theateraufführung nicht fehlen durfte. Am Freitag nun war es soweit: Das Überleben des Dorfes Oberschopfheim im Jahr 1677 stand im Pfarrsaal im Blickpunkt. Manch einer fragte sich, warum im Pfarrsaal und nicht in der Auberghalle gespielt wurde. Denen wurde aber schnell der Grund vor Augen geführt.

Wechselnde Schauplätze

»Die außergewöhnliche Atmosphäre wäre sonst sicherlich nicht so spürbar geworden«, meinte nicht nur Ortsvorsteher Michael Jäckle. Und es war auch ganz im Sinn von Autor und Regisseur Christopher Kern, dass das Publikum quasi mitten im Geschehen Platz nimmt. Denn das Theater spielte sich nicht nur auf der Bühne ab, sondern auch mal hinten im Saal, mal in den Zwischengängen oder direkt vor der Bühne. Wer nichts verpassen wollte, musste sich hin und wieder umdrehen.

Überhaupt war das Publikum mehrfach gefordert. Da wurde auch mal lauthals gelacht, wo es tragisch zuging, was sicherlich auch an dem Oberschopfheimer Dialekt und an so manchem alten, längst vergessen Ausdruck lag. Und bei manch einer Szene konnte man andererseits wässrige Augen im Publikum entdecken. Das Stück selbst handelt von einer unglücklichen Liebe, von dem Ringen der Dorfbewohner um ein Leben in Ruhe und Frieden in jener unheilvollen Zeit und von der sich immer mehr auf Oberschopfheim zubewegenden Kriegsfront. Mitten im Geschehen steht Nikolaus Wetterer, hervorragend in Szene gesetzt von dem erst 16-jährigen Fabio Krämer, der als eine Art »Dorftrottel« für lustige und traurige Szenen gleichermaßen sorgt. Seine Darstellung des Nikolaus Wetterer, der trotz allen Umständen die Lebensfreude nicht verliert, erinnert ein wenig an Quasimodo aus dem Film »Der Glöckner von Notre Dame«.

Alle hatten Freude

»Einfach fantastisch, das habt ihr toll gemacht«, lobte später Bürgermeister Armin Roesner. Das Lob galt auch dem drei Jahre älteren Thorsten Junker, der eine der tragischen Personen – nämlich Johannes Schuler – spielt. Auch Ulrike Beck ist die Rolle als »Waldgroßli« wie auf den Leib geschrieben. Trotz der Tragik – Freunde hatten letztlich alle, das Publikum und die Akteure vor und hinter Bühne und ganz besonders die jüngsten Akteure des Abends, die beiden zehn Jahre Mädchen alten Rosa Jäckle und Karoline Massa. Sie spielten ihre Rollen ebenso perfekt wie alle rund 30 Laienschauspieler an diesem Premierenabend.

Und an dessen Ende stand nicht nur ein begeisterter Applaus, sondern auch die Erkenntnis, dass die Oberschopfheimer trotz vieler Schicksalsschläge immer wieder ihren Ort von Neuem aufgebaut haben.

 

 

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